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die_ethik_des_kommenden_jahrhunderts

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ten_siethoff_-_die_ethik_des_kommenden_jahrhunderts.pdf

Der Zustand heute Wir sprachen über den künftigen Sollzustand «Liebe deinen Nächsten wie dich seihst!». Harmonische, also sinnvolle Zusammenarbeit aller mit allen: • Alles wird dann für alle besser werden! • Denn jeder liebt seinen Nächsten wie sich selbst! Wie jedoch sieht die heutige Erdenwelt aus? Wie ist der Zustand heute? Heutige Symptome 0 Wir haben Krieg; nicht mehr den Ersten oder Zweiten Weltkrieg mit ihren klar abgegrenzten Frontlinien (zwischen zwei Parteien), • sondern wir haben diffuse Kriege rund um die Erde, keine klare Frontlinie zwischen klar erklärten Parteien, sondern «diffus zerstreute Kriege und Kämpfe rund um die Uhr und die Welt»: • ein zunehmender Kampf vieler • Monomanen unter sich: jeder meiat «recht zu haben», der andere sei -im Unrecht»: • Wir haben Krieg als ein Kampf aller gegen alle. 0 Alternativbewegungen sanierender Art machen sich zögernd bemerkbar, zum Beispiel: •._ '14 I . ; * e r t e i e i t e t e ß i g i i i k i e M e , . , • • • • 4 “ 4 4 i g t i . . ) - eVilchiritlicliStachiSiirigailid - 1 9 8 0 - 4 4 7 2 1 e i l l ' i g a n g > A u F i e t S e D t e t t • H. J. TEN SIETHOFF, BWI Uni Bern, NPI Zeist NL* Die Ethik des kommenden Jahrhunderts «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!» ist doch wohl der Weckruf an die kommende Menschheit zur Nächstenliebe und zur Selbstverwirklichung. «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!» gibt uns die liebende Kraft zur bewußten Bewältigung des industriellen Zeitalters durch: • Nächstenliebe (Brüderlichkeit, Sozialbewußtsein) und • Selbstverwirklichung (Individuation, Selbstbewußtsein) Es geht um die Evolution des Bewußtseins, um gezielte Bewußtseinserweiterung • in die Biographie des Ich und • in die Biographie des Du. «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!» Liebe ist also wesentlich dialogische Existenz. Zwiesprache in der Existenz • mit dem «göttlich-geistigen Wesenskem des Ich» («dich selbst»); • mit der «Mitmenschlickkeit mit andern» («deinen Nächsten»). Das ist das Gute, das Dialogische. Das Böse ist monologisch blindes und taubes «Kreisen um sich selbst” (das Ich allein, oder die Gruppe allein). «Es dreht sich nur ins Kreis… und tut, als ob es wäre!» Das Böse nämlich. • harmonisch hingestimmte Technologie: bio-dynamische Landwirtschaft (ohne Wasser- und «Nahrungsvergiftungen) als ewig bewährtes Naturstoff-Recycling; Sonnenenergienutzung «vor Ort». 0 Ein Suchen nach dem Geistigen. «Der Geist weht, wo er will»; «geistige Bewegungen treten überall auf und in verschiedenen Formen». Viele Menschen suchen (mehr oder weniger geschickt) Erkenntnisse. Aber sie suchen wenigstens. Symptome und ihre Ursachen «Kampf aller gegen alle», «sanierende Alternativbewegungen kommen erst z ö - gernd», «Suchen nach dem Geistigen», auf was deuten diese symptomatischen Tatsachen hin? Deuten wir diese Lebenstatsachen, denn sie sind die «Zeichensprache» für die seelisch- geistigen Einstellungen jener Menschen hinter den Tatsachen. «Kampf von allen gegen alle» deutet hin auf: • Ratlosigkeit. Nur der Ratlose wird aggressiv oder zieht sich in Apathie zurück. • Separierung des Ichs. Fortschreitendes Differenzieren und Individualisieren in Einzelmenschen: Jedes «Ich» für sich. • Wachsende Antipathie- oder Haßgefühle zwischen Menschen. Wo haben diese Symptome ihre Ursache? Diese Frage ist wichtig, denn die Problemanalyse (Diagnose) gibt die Problemlösung auch im sozialen Leben. Wie entwickelt sich das Soziale? Entwicklungsphasen des Sozialen In alten Zeiten sind kleine, geschlossene Familien- oder Stammesgruppen mit diesen Merkmalen: • Magische Naturreligion mit vielen Göttern, die man sich durch Opfergaben zu Freunden machen w i l l , damit man durch sie geschützt ist, sie einem helfen. • Wirksame Sozialkontrolle und Soziallenkung: Wer gegen die Spielregel dieser Gemeinschaft verstößt, wird streng bestraft, wobei die Gemeinschaft die Gerichtsfunktion ausübt, zum Beispiel wohl auch das «außermenschliche» (oder dadurch, daß ein Mitglied totgeschwie- «übermenschliche») aus dem Geist. Ist gen wurde oder aus der Gemeinschaft überhaupt etwas Rechtes je geistlos entgestoßen und so gleichsam zum Tode standen? Kaum. Im Sozialen sieht es nun verurteilt wurde. a u c h anders aus. Die starre «Kastenstmk- • Es war immer die Gruppe (Gemein- tur» wird abgebaut. Soziale Kontrolle ist schart) gegen das Individuum. Die Ge- fast nicht mehr da. Die spezialisierte Polimeinschaft war wichtig, das Indivi- zei- und Gerichtsfunktion kann uns kaum duum hatte sich anzupassen. m e h r das Einhalten starrer Spielregeln ab- • Arbeitsteilung, aufgebaut auf vermein- zwingen. J e milder die Strafe, desto ten oder wirklichen Fähigkeiten der Mitglieder dieser Gemeinschaft. In einer weiteren sozialen Entwicklungsphase schließen sich viele kleinere Gemeinschaften zur größeren Gemeinschaft zusammen: Etwas wie ein «Staat» entsteht. Zu den älteren Gemeinschaften sind etwa das die neuen Unterschiede: • Religionen werden monotheistischer (Buddhismus. Islam, hebräische Jahve- Religion usw). • Die Sozialstruktur i s t hierarchisch geordnet; und die soziale Kontrolle und Lenkung wird weniger von der ganzen Gemeinschaft ausgeübt; eine bestimmte Differenzierung durch eine Art «Polizeifunktion» entsteht: Spezialisten überwachen die sozialen Spielregeln. Gerichte mit Richtern bestrafen nach geschriebenen Gesetzen. • Die Arbeitsteilung organisiert sich in Zünften (Gilden). Alles wird besser organisiert, nicht mehr intuitiv und spontan von der ganzen Gemeinschaft getragen. Daß dies möglich ist, hängt mit Bewußtseinsänderungen in den Menschen zusammen. Wo früher die Menschen noch ein direktes Erleben der Göttenvelt hatten und daraus sich auch den göttlichen Gesetzen unterordneten, mußten jetzt die göttlichen Gesetze durch bestimmte Personen in Offenbarungen erscheinen: schriftlich festgelegt und interpretiert werden. • Der Mensch fängt an, selbständig zu denken und damit die Welt nach seinen Gedanken zu ordnen. • Die Göttergedanken werden in einen Konkurrenzkampf mit den Menschengedanken gebracht. Wie ist es heute? Heute hat gleichsam jeder «seine eigene Religion». Sogar d e r «Materialismus» wird oft wie eine Religion vertreten, wobei noch keine Weltanschauung so materialzerstörerisch mit der Materie umgegangen ist wie der Materialismus Heute versucht jeder Mensch selber, seine Beziehung zur geistigen Welt (wenn er glaubt, daß so etwas existiert) zu gestalten. Immer weniger will der Mensch heute vorgeschrieben oder gesagt bekommen, «wie die geistige Welt ist oder für ihn sein soll». Damit ist die Quelle der Ethik individualisiert, denn die Ethik kam immer aus dem Göttlich-Geistigen, nur wird es heute individuell interpretiert. Manche Menschen leugnen das Geistige, ohne die Inkonsequenz dieser «Geistleugnung» zu durchschauen. Wie jedes menschliche Produkt geistigen Ursprungs ist, indem es menschlichen Gedanken entsprungen ist, kommt TECHIIISDERINIM, Bam N r. 28 1 5 . Juli 1980 menschlicher die Urteile, je weniger die Angst als Bremse vor Entgleisungen. Wir spüren, daß wir nicht zurück können und wollen. Dogmatischen Islam empfinden wir als Mumifizierung, erstarrt in Formen. Bei der Arbeitsteilung sind wir immer weitergegangen: so weit, daß wir nur noch einen winzigen Teil der menschlichen Fähigkeiten beanspruchen. Der extreme Fall ist der Fließbandarbeiter, wie e r von CHARLY CHAPLIN im Film «Modern Ti - mes» dargestellt wurde. Überspezialisierung! Überindividualisierung! Die individuation des Menschen im Religiösen, in der Ethik und in der Arbeit ist extrem geworden. Anders gesagt: Früher wurde von den Einzelmenschen noch wenig gedacht, mehr getan, wobei dieses Tun unter direktem Einfluß der göttlich-geistigen Mächte stand. Der Mensch war mehr oder weniger «eine Marionette an göttlichen Fäden». Für den heutigen Menschen sind diese direkten «Fäden zur Geisteswelt» durch- Der geistig freiwerdende Mensch hat sein eigenes Konzept «Was ist gut? Was ist böse?» zu entwickeln. Auch das Märchen von RUDOLF STEINER «Woher kommt das Böse?» ist ein schönes Beispiel: «Es lebte einmal ein Mann, der sann viel über Weltendinge nach. Es quälte sein Gehirn am meisten, wenn er des Bösen Ursprung kennen wollte. Da konnte er sich keine Antwort geben. (Es ist die Welt von Gott>, so sagte er sich, (und Gott kann nur das Gute in sich haben. Wie kommen böse Menschen aus _dem Guten?) Und immer wieder sann er ganz vergebens; die Ani - won wollte sich nicht finden lassen. Da traf es sich einmal, daß jener Grübler an seinem Wege einen Baum erblickte, der im Gespräch war mit einer Axt. Es sagte zu dem Baume jene Axt : (Was d i r zu tun nicht möglich ist, ich kann es tun, ich kann dich fällen; du mich aber nicht.) Da sagte zu der eitlen Axt der Baum: (Vor einem Jahre nahm ein Mann das Holz, woraus er deinen Stiel verfertigt hat, durch eine andere Axt aus meinem Leib.) Und als der Mann die Rede hatt' gehört. erstand in seiner Seele ein Gedanke, den er nicht klar in Worte bringen konnte, der aber volle Antwort gab auf die Frage: (Wie Böses aus dem Guten stammen kann›.» Das Soziale verlangt immer mehr von uns modernen Menschen, daß w i r uns aus Eigenverantwortung a n faire Spielregeln halten: • Die Gesellschaft kann nur funktionieren im Vertrauen auf das Einhalten humaner Spielregeln. Wir haben das zum Beispiel schmerzlich erfahren bei der Geiselnahme der US-Botschaftsmitglieder in Teheran, wo die in der modernen Welt gültigen Spielregeln kraß verletzt worden sind. Daß überall das humane Vertrauen zerstört wird, ist zum übel dieser modern und freiwerdenden Welt geworden. Ohne ge- «PiNoccHio», das Märchen vom Entwickschnitten. g e n s e i t i g e s Vertrauen, ohne gegenseitige lungsweg zur echten Selbständigkeit des Hilfe, ohne humane Symbiose geht es Menschen zeigt uns: n i c h t . Jeder, der ein geschenktes Vertrauen • Auf dem Weg, «ein echter Mensch zu zerstört, wirkt übel, indem er seinen verwerden », k r a m p f t e n Egoismus einseitig auslebt: • geht man auch Irrwege Was aber ein guter, was ein irrer Weg ist, kann heute nicht mehr vorgeschrieben werden: • Der einzelne Mensch sammelt Erfahrungen und lernt aus dem damit zusammenhängenden Empfinden: • Das Erlebnis führt zum Ergebnis. Die alte Ethik jedoch spricht noch von «Du sollst und du sollst nicht»! Die neue Ethik, eine Art «Philosophie der Freiheit», sagt jedoch: • «Du bist ein freier Mensch, du kannst fast alles ungestraft machen, und/aber ob du es machst oder nicht, liegt in deiner eigenen Verantwortung.» CHRISTIAN MORGENSTERN f o r m u l i e r t e d i e neue Ethik so: • «Du darfst vielerlei tun; aber du mußt wissen, daß du es dir selber antust, deinem Ich.» • Ausleben des Egoismus und das «Nichtüberschauenkönnen (oder wollen) der Konsequenzen dieser Vertrauenstötung» ist das Übel dieser Welt. • Geistesfreiheit müßte im Gleichgewicht zur Verantwortung sein: Geistesfreiheit •• moralische Verantwortung n der Arbeit werden wir uns immer klarer die Frage stellen müssen: «Wie ist das mit der Arbeitsteilung? Wie weit soll die gehen? Wiestehe ich selbst in der Arbeitsteilung drin? Für wen arbeite ich eigentlich? Bin ich wie früher Selbstversorger dadurch, daß ich nur so viel arbeite, als ich Lohn oder Einkommen brauche, um leben zu können und meine Bedürfnisse zu befriedigen? Oder will ich so viel Geld verdienen, daß ich zwar die Bedürfnisse vieler Leute befriedigen könnte, jedoch dies Geld für mich behalte? Auf welche Ar t könnte ich meine Fähigkeiten optimal sowohl für mich als auch für meine Mitmenschen (die Gesellschaft) einsetzen?» Es gibt verschiedene Möglichkeiten; es gibt kein «Entweder/Oder»; es geht immer um «Meson ariston»: um das rechte und gerechte Maß. • Das Gute tun wird zur Individuellen Sache; • mit diesem sozialen Problem haben wir uns auseinanderzusetzen. Eine Entscheidungsfrage für eigene Taten, eigenes Handeln und ein Entscheidungsproblem auch für die Umwelt, die dieses Handeln beobachtet und beurteilt. Nach welchen Kriterien beurteilt der Mensch heute die Taten anderer? Frage ich mich etwa: «Was würden die andern wohl denken?» Oder beurteile ich nach dem, was die «Fachleute» sagen? Oder tue ich einfach, was mir Spaß macht? Oder bin ich der Meinung, jeder soll tun, was er will, solange ich nicht persönlich davon betroffen bin? Oder habe ich ein Gewissen, das mich manchmal fühlen läßt, was gut oder böse ist, ohne daß ich recht weiß, warum? Oder versuche ich bewußt zu durchdenken und zu durchschauen, was die Konsequenzen meiner oder fremder Handlungen für die Betroffenen sind? Versuche ich aus diesem Durchschauen der Konsequenzen abzulesen, was Gut oder Böse ist? Rune, STEINERS Märchen zeigt, wie Böses aus dem Guten entstehen kann. Wie stellt sich uns jeweils die Frage nach Gut und Böse? D i e Antwort lautet schlicht: • Das Gute hilft dem Menschen und den Menschen in ihrer Geistevolution weiter: • denn die Bewußtseinserweiterung i n sich selbst und in der Mitwelt entwikkelt uns. Die Unterscheidung «Gut oder Böse» ergibt sich also aus der jeweiligen Situation in unserem Bewußtsein; wichtig ist wohl die Frage, «wie könnte dieses oder jenes dem betroffenen Menschen in seiner Biographie etwas weiterhelfen? Wie also kann diese oder jene Tat mir einen Schritt weiterhelfen in meiner Entwicklung, meiner Evolution, meiner Biographie?» Man soll sich mit seiner Biographie und mit jener seiner Nächsten (deren Biographien man beeinflußt) auseinandersetzen. Man soll sein eigener verantwortungsbewußter «Hüter» seiner nächsten Mitmenschen sein. Und dieses Sich-Interessieren für den andern Menschen, für seine Biographie dämmt den krankhaft einseitigen Egoismus ein: • Der Mensch kann seinen wuchernden Egoismus nur heilen, indem er sich für des andern Menschen Biographie liebevoll interessiert. Und um das zu können, müssen wir wieder längerdauernde Gemeinschaften bilden, in denen man sich wirklich kennenlernt, füreinander etwas tun kann. Was nicht heißen soll, daß man «ewig» zusammenbleiben muß; auch hier gibt es das richtige Maß: Nicht zu kurzfristige menschliche Kontakte, die kein «Sich-kennen-Lernen» gestatten und gegenseitige Verantwortung zu übernehmen verunmöglichen; aber auch nicht unbedingt «ewig» zusammenbleiben, denn jede Entwicklungsphase hat ihre biographische Zeit, also Anfang und Ende. In diesen Gemeinschaften wird man das «Sich-gegenseitig-Erziehen» lernen a l s neue Form von dem, was früher die «soziale Kontrolle» war. Nicht mehr der Gruppendruck mit der strengen Strafe (das wäre ein Rückfall), aber das Erziehungsgespräch, wobei man sich gegenseitig aufmerksam macht auf die Verantwortung des Menschen für sein Tun, doch es dem andern überlassend, wie er in geistiger Freiheit praktisch reagiert. In diesen Gesprächen soll der Mitmensch erleben, daß man an seiner Biographie interessiert ist. Der Ton, mit dem wir sprechen, soll die Liebe zum Mitmenschen ausdrücken, Herzenswärme mit sich führen; dann wird der andere vermutlich bereitwillig auf uns hören. Zu diesem nützlichen Tun brauchen wir gleichsam «ein lebensnahes Menschbild», den tragfähigen «Glauben an das Positive im Menschen». «Gedanken sind zollfrei,,, sagt man: doch Gedanken sind Realitäten. Denke ich Negatives über einen Menschen, so wird er dies Negative als Ausstrahlung spüren: Negativgedanken wirken w i e Pfeilgeschosse, Positivgedanken geben liebevollen Mut zum rechten Tun. Unsere Gefühle können heilen oder krank machen. Pflegt man Haßgefühle, so macht man sich und andere krank. Auch Gefühle sind nicht zollfrei: sie wirken direkt auf den andern Menschen. Unsere Taten, unser Handeln wirkt in der Umwelt, wirkt auf unseren Mitmenschen und auch wieder auf uns zurück. Ich kann durch meine Taten heilen oder zerstören. Die Wahl steht mir oft frei. Ich kann mich selber zerstören durch ein Übermaß an Sex, durch Alkohol oder Drogen; durch diese Triebhaftigkeit kann ich gleichsam «in das Nurkörperliche hinein versumpfen ». Ich kann durch dies Versumpfen und egoistische Vergammeln der Umwelt meine besseren Fähigkeiten entziehen. Ich bin dann ein Schmarotzer an der humanen Gesellschaft. Das ist böse. Gut hingegen wäre es, die gesunde Bewußtseinsentwicklung zu fördern. Zusammenfassung Die ethische Frage ist zur Individualfrage geworden. Das Individuelle hat zwei Seiten: Einerseits, indem ich nach innen mich selbst betrachten und auf mich wirken kann, andererseits, indem ich auf die Umwelt wirke. WAS ich in der Welt tue und auch WIE ich es tue (wie ich auf meinen Mitmenschen einwirke), ist wichtig. Im Seelischen kann ich den Egoismus nur überwinden und andern helfen bei der Überwindung ihres Egoismus, wenn ich mich sowohl f ü r meine eigene als auch für die Biographie meines Mitmenschen interessiere, beim Denken, Fühlen und Tun soll ich mir die Frage stellen: «Wie wirkt das auf mich? Wie wirkt das auf den andern?» Diese innere Haltung bedarf eines innerlich tief begründeten und erlebten Menschenbildes geistiger Art. Denn des Menschen Geist hat einen guten Ursprung. Selbstdisziplin im Denken, Fühlen und Wollen ist möglich und nötig. Diese Selbstdisziplin fordert ständig Übung. üben, indem man das Denken und Fühlen prüft und lenkt und das Tun in Übereinstimmung bringt mit dem, was man Gutes denkt und fühlt. Es gibt kein Licht ohne Schatten. Wollen wir das Licht in uns finden, müssen wir auch mutig unseren Schatten (unsere innere Dunkelzone) erforschen. se 1112115851118083 1 1. B e r n N r . 2 8 1 5 . J u l i 1 9 8 0

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