Hellmuth J. ten Siethoff
Anmerkungen zu Begriffen der Transaktionsanalyse
Entschränkung und Erweiterung
Alle Freiräume, die uns zugestanden werden, die erhaltene Un-
terstützung, alles was uns Mut machte, unseren Weg selbst zu
gestalten und dadurch auch selbständig zu werden, die Heraus-
forderungen, das Lob bei Erfolg, die Begleitung in Schwierigkei-
ten, haben unsere Erziehung ebenso wesentlich beeinflußt wie
Einschränkung und Einengung
Hierunter zählt all jenes, das uns in der Kindheit eingeschränkt
oder weh getan hat, was uns hinderte, die eigene Persönlichkeit
zu entfalten. Dazu gehören Kritik, Rügen, die vielen "guten"
Ratschläge, der herabsetzende Vergleich mit den Geschwistern,
das Nichtakzeptiertwerden der Art wie man ist, alle Verbote und
Gebote, Vorschriften und Regeln. Sie machen die andere Seite
der Erziehung aus.
Erziehung versucht das Gleichgewicht zwischen Freiheit und
Gebundenheit zu halten, zwischen Grenzensetzung und dem
Zugeständnis von Freiräumen. Jede Einseitigkeit im Bereich der
Freiheiten oder Einschränkungen kann zu Verhaltensschwierig-
keiten im späteren Leben führen.
Erziehung ist
grundsätzlich
durch zwei Arten
von Einflüssen
geprägt
HJ. ten Siethoff: Begriffe der Transaktionsanalyse 2
Widersprüche Weitere Aspekte
P der Bildung der
Seele
Welche Widersprüche gab es in der Kindheit? Widersprüche
zwischen den Eltern? Widersprüche zwischen dem, was gesagt
und dem, was getan wurde? War alles - egal, was Sie gemacht
haben - falsch? Wie sind Sie in Ihrer Kindheit mit diesen Wider-
sprüchen umgegangen? Haben Sie gelernt zu manipulieren,
Menschen (die Eltern) gegen einander auszuspielen? Haben Er-
zieher ihre Glaubwürdigkeit verloren?
Eigene Grundhaltung
Die eigene Grundhaltung und die Haltung zu unseren Mit-
menschen bestimmt unsere Kommunikationsfähigkeit positiv als
auch negativ in hohem Maße. Sie muß daher ständig von uns
überprüft werden.
Gefühle, die man im Laufe seines Lebens sammelt
Suchen Sie oft Situationen, in denen Sie sich wohl fühlen, oder
eher solche, in denen Sie negative Gefühle sammeln können?
Haben Sie oft das Gefühl: "Warum muß mir dies wieder passie-
ren?", oder "Ich bin doch ein richtiger Glücksvogel?" Von wel-
chen Gefühlen werden Sie hauptsächlich bestimmt und von wel-
chen nicht? Welche Situationen bringen bei Ihnen starke Gefühle
hervor, positive oder negative? Lassen Sie sich schnell - oder
sogar gerne - provozieren?
Der Spitzname
Hatten Sie als Kind einen Spitznamen und wieso? Was sagte er
über Sie aus?
Selbsteinschätzung
Wie schätzen Sie sich selbst ein: als Mitarbeiter, als Vorgesetzter,
als Ehepartner, als Person/Mensch usw.? Versuchen Sie sich in
H.J. ten Siethoff: Begriffe der Transaktionsanalyse
diesen Rollen zu beschreiben, als müßten Sie eine Selbstbeurtei-
lung durchführen.
PartnerschaftYEhe
Wie beurteilen Sie Ihre Partnerschaft oder Ehe? Geben Sie eine
Beschreibung, als wollten Sie einem anderen darüber ein Bild
vermitteln.
Spielsituationen im Leben
Das 'Spiel' mit den gesellschaftlichen Verhaltensnormen und
Traditionen formt uns in hohem Maße. Wie reagieren Sie auf
Ratschläge? Worüber sprechen Sie in gesellschaftlichen Situatio-
nen? Wie gehen Sie mit Konflikten um?
Lebensprogramm
Jeder Mensch bringt eine Lebensaufgabe mit. Auf diese Le-
bensaufgabe wird man vorbereitet. Die Seele ‘erkennt wieder",
worauf sie geistig vorbereitet wurde. Dies können wir uns be-
wußt machen, indem wir uns an unsere Lieblingsmärchen, an
unsere frühesten Kindheitserinnerungen, an Menschen {und ihre
Eigenschaften), die uns Vorbild oder Leitbild waren, zurücker-
innern.
Sich selbst erfüllende Prophezeihungen
Es leben in der Seele unbewußte Wünsche und Impulse, welche
uns veranlassen, die Welt und Menschen so zu beeinflussen, daß
eintritt, was gleichsam unbewußt gewollt wird. Geschieht dies
dann, finden wir uns in unserer Auffassung bestätigt. Es kann
hilfreich sein, sich solche Impulse bewußt zu machen. Zum Bei-
spiel mit folgenden Fragen:
H.J. ten Siethoff: Begriffe der Transaktionsanalyse 4
ende lese le ernten Lebe BEE La anamandt eo a EEE...
« Wann glauben Sie zu sterben und wie stellen sie sich dieses
Ereignis vor?
« Wie sehen Sie die Menschheit, wohin entwickelt sie sich?
« Was halten Sie von Frauen, von Männern, von Kindern, vom
Heiraten, von Partnerschaft?
Forderungen, die Sie an sich selbst stellen
« Müssen Sie alles immer schnell machen?
® Müssen Sie sich anstrengen, weil Fleiß gut ist?
e Müssen Sie immer stark sein, weil Stärke wichtig ist?
« Dürfen Sie keine Fehler machen?
« Dürfen Sie weinen, wenn Sie leiden?
° Wollen Sie ein Lebenskünstler sein und genießen?
« Müssen Sie immer Pausen machen, um gut arbeiten zu kön-
nen?
Die sogenannten Lebensleitsätze
Jeder Mensch hat bestimmte Lebensleitsätze, welche sein Verhal-
ten unbewußt steuern. Einige Beispiele sind:
° Ich habe es geschafft, trotzdem meine Mutter mich kaputt ma-
chen wollte. (Im Klartext: Ich setze mich auch Frauen gegen-
über durch)
e Ich verliere den Verstand, was ist mit den Menschen los? (Das
Hamlet-Syndrom)
« Die Leute schmieden ein Komplott gegen mich. (Hamlet)
« Ich bin halt der Beste, Gescheiteste usw. (Ich bin der Einzige,
der in Ordnung ist).
« Ohne mich läuft nichts. Wer hütet schon den Laden, wenn ich
nicht da bin? (Torhüter-, Hüter der Schwelle-Syndrom)
« Ich bin mehr als ich scheine. (Wichtig sein wollen)
« Ich führe sie alle an der Nase herum. (Baron von Münchhau-
sen)
HJ. ten Siethoff: Begriffe der Transaktionsanalyse
° Immer muß ich leiden, wieso passieren mir immer solche Sa-
chen? (Selbstmitleid)
* Ich mag keine Komplikationen; das Leben ist ohnehin schon
kompliziert genug. (Geistige Trägheit)
° Ich will die Welt verbessern, das ist meine Aufgabe. (Missio-
nars-, bzw. Sendungsbewußtsein)
° Ich will mein Recht, darauf muß ich bestehen. (Sturheit)
° Ich bin halt so wie ich bin, so müßt ihr mich nehmen. (Ent-
wicklungsfaulheit)
° In unserer Familie gibt es so etwas und geschehen solche
Dinge nicht. (Nicht wahrhaben wollen, Unfehlbarkeit)
«e Wir führen diesen Betrieb schon in der dritten Generation.
(Sippenstolz)
Solche o.ä. Lebensleitsätze haben eine tiefere Bedeutung und
einen Sinn. Die obigen Interpretationen in Klammern deuten
darauf hin, müssen aber nicht immer richtig sein.
Die Fragen sollen Ihnen bei der Entwicklung der Selbsterkennt-
nis helfen. Am besten schreiben Sie die Fragen auf, die bei Ihnen
auftauchen, sowie auch die Antworten, die Sie sich selber darauf
geben. Auf diese Weise können Sie sich viel intensiver mit ihnen
auseinandersetzen. Gleichzeitig werden sie Ihnen klarer, weil Sie
sie nun schwarz auf weiß vor sich haben.
TRANSAKT.DOC
Anregung