← Back to catalogue

The triangular relation

Author:
Hellmuth ten Siethoff
Original title:
Das Dreiecksverhältnis
Type:
Syllabus
Language:
German
Year:
1991
Pages:
5
Subject:
Explanatory notes for people living or coming into triangular in relations

H. J. ten Siethoff
Es Grand Clos
CH - 1083 MEZIERES VD
© 021/903 25 53
Im Rahmen meiner Biographiekurse erlebe ich, dass heute öfters
Menschen mit der Tatsache konfrontiert werden, dass der Partner
einen Freund oder eine Freundin hat. Trotzdem möchten sie die
Partnerschaft oder Ehe nicht aufgeben, sie können sogar erleben,
dass dieselbe durch die zweite Beziehung bereichert und
verbessert wird einerseits, andererseits auch starke Emotionen,
Aengste und Äggressionsgefühle auftreten.
Es wird die Frage aufgeworfen, wie man mit solchen Situationen
umgeht.
Ohne behaupten zu wollen, eine klare Äntwort zu haben, will ich
versuchen, mich an diese Thematik heranzutasten. Es darf in
einer solchen Situation nicht sofort von Schicksalsbeziehung und
Notwendigkeit geredet werden. So einfach liegen solche Sachen
nicht.
Es gibt eine alte Legende. Darin wird erzählt, wie nachdem Adam
und Eva aus dem Paradies ausgewiesen wurden, es für Adam noch
eine zweite Frau gab, nämlich Lilith. Sie wird so dargestellt in
den alten Legenden, dass man das Gefühl haben kann, man hat hier
mit eine luziferischen Persönlichkeit zu tun, mit eine Ärt
Fortsetzung der Persönlichkeit der Schlange aus der
Sündenfallgeschichte. Eva ist für Adam seine Frau und die Mutter
seiner Kinder, Lilith seine Freundin und Maitresse.
Dann gibt es noch eine andere Legende, wonach Eva ein Kind
bekommt von einem Elohim (eine göttliche Persönlichkeit) und
dieses Kind ist Kain. Kain und Abel sind also nur Halbbrüder.
Abel ist das rechtmässige Kind aus der Ehe Adam und Eva, Kain
hat einen Gott zum Vater aber nicht Jahve. Wir würden sagen, ist
Bankert (Bastard). Vielleicht der Grund wieso Jahve sein Opfer
nicht annimmt, denn Adam und Eva sind Jahve's Kinder. Er hat sie
geschaffen.
N Aehnliches finden wir in der Artussage, in der Parzivalsage usw.
Die von den Göttern gelenkte Weltentwicklung hält sich nicht
unbedingt an unsere irdischen Normensysteme.
Die Frage ist nur, ob wir es hier mit echten Personen zu tun
haben oder mit etwas, dass von C.G.Jung genannt wird, die
archetypischen Rollen von Mann und Frau. Beispiele sind:
- Die alte Frau als Bild für die Weisheit. (Grossmutter als
Hinweis auf das Matriarchat.) Vor dem Patriarchat herrschte das
Matriarchat. Die Frau representiert mehr das Gruppenhafte (die
Familie, die Fortpflanzung der Art ), der Mann mehr das
Individuelle, das eigene Ich-Hafte.
" Vom Vater habe ich die Statur und
des Lebens ernstes Führen,
Vom Mütterchen die Frohnatur und die
Lust zum Fabulieren."
J.W.von Goethe.
- Die Mutter (Geborgenheit).

-2-
- Der Vater (Stärke, Sicherheit).
- Die Schwester oder der Bruder (engster Vertrauter).
- Der Partner (mit dem man eine gemeinsame Aufgabe hat).
- Die Liebhaberin/ der Liebhaber. (Hier steht das Erotisch-
Sexuelle im Vordergrund. Man hat keine echte gemeinsame
Verantwortung. Dadurch werden einem auch die normalen
täglichen kleinen Auseinandersetzungen die damit
zusammenhängen erspart. Wenn man zusammen ist, ist es immer
wie "Ferien" oder "Sonntag".
- Wir sehen, wie vielfältig dieses Thema an uns herantritt.
In den von Rudolf Steiner geschriebenen "Myteriendramen", worin
er in Zusammenhang mit dem Gedanken der Wiederverkörperung des
menschlichen Ich's, tiefe Schicksalszusammenhänge dramatisch
darstellt, kommt eine Szene vor, worin eine Frau (Maria) und ein
Mann (Johannes) Partner sind. Maria ist Diejenige welche am =
weitesten entwickelt ist, aufgrund ihrer Selbsterziehung in
vergangenen Erdenleben. Sie steht jetzt vor der Herausforderung
sich im erotisch-sexuellen Bereich von ihren Partner zu trennen,
damit Johannes frei kommt von diesem Teil der Bindung, die mit
der Partnerschaft oder Ehe zusammenhängt. Die Lösung dieser
sexuellen Bindung und die dadurch errungene innere Freiheit, ist
ein Thema das ich aus vielen Biographieberatungen kenne. In
diesen Myteriendramen können wir dann verfolgen wie Maria diese
Lösung eigentlich nicht will. Auch sie ist positiv gebunden,
(jedoch) unfrei. Als diese sexuelle Bindung dann gelöst wird,
sehen wir, wie Maria dadurch einen Schritt weiter kommt in ihrer
geistigen Entwicklung. Johannes seinerseits kämpft mit der
Verliebtheit zu einer anderen Frau.
Auch dieses Thema kenne ich aus meiner Praxis. Wie oft steigen
Partner bei einem Dreiecksverhältnis sofort in eine neue
Beziehung (auch sexuell) ein, ohne zuerst die innere Freiheit
errungen zu haben.
Ohne auf alle in diesen Mysteriendramen hineingeheimnisten
tiefsten menschlichen Fragen einzugehen, wird uns klar werden
können, dass es hier unter anderem, um ein wichtiges Phänomen
der individuellen menschlichen Entwicklung geht. Nämlich um die
Eroberung der inneren Freiheit einem anderen Menschen gegenüber
und auch um die Frage, wie und wann gehe ich wieder eine neue
sexuelle Beziehung ein. Wir werden uns als Menschen immer in
Abhängigkeiten hinein versetzen, jedoch meist unbewusst und
damit auch unfrei. Da wir nicht ohne Abhängigkeiten existieren
können, — jedenfalls nicht längerfristig -, ist es eine Frage
der Qualität dieser Abhängigkeiten.
Ich hatte die Möglichkeit in den 60er Jahren mit einer
amerikanischen Psychiaterin zusammenarbeiten zu können. Sie war
damals 64 und ich selber 40. wir machten zusammen
Eheberatungsseminare. Sie formulierte dieses Problem so:

_3-
Im sexuell-erotischen Bereich ist eine Beziehung mit mehr als
einem Partner, meiner Erfahrung nach, im heutigen Zeitalter, für
die meisten Menschen nicht möglich. Dies hat nichts mit Ethik
oder Moral zu tun. Eine solche Beziehung ruft so starke
Seelenkonflikte hervor, das die Seelen darunter "zerrieben"
werden."
Rudolf Steiner formuliert in "Wahrspruchworte" Seite 171 meiner
Ausgabe:
"Dem Stoff sich verschreiben,
heisst Seelen zerreiben.
Im Geiste sich finden,
heisst Menschen verbinden.
Im Menschen sich schauen,
heisst Welten erbauen."
Im Menschen sich schauen, heisst auch, sich spiegeln. Oder
anders gesagt, sich seiner eigenen Unfähigkeiten, oder
Abhängigkeiten bewusst werden.
Im sexuellen Bereich sind wir im Unterbewussten. Im
Gefühlsbereich leben wir im Halbbewussten und im Denken im
Bewussten. Mit meinem Bewusstsein kann ich alle Menschen, die
Menschheit erfassen. Mit meinem Gefühl erfasse ich in Sympathie,
die mir lieb sind, in Antipathie, die es mir nicht sind ( aus
welchen Gründen auch). Man kann sich die Frage stellen ob der
Kreis im Sexuellen nicht noch kleiner werden soll und man sich
dort auf einen Partner beschränken sollte. Nicht nur weil man
das moralisch will, aber auch weil wir die Konsequenzen nicht
tragen können. Es tritt die Frage auf, was suchen wir dann in
einem Dreiecksverhältnis ? Weshalb gibt es sie ?
Zu dieser letzten Frage kann ich aus meiner Biographiearbeit
sagen, es geht eigentlich - in den verschiedensten Varianten -
immer um ein ähnliches Problem. Nämlich das Erringen der inneren
Freiheit gegenüber dem Menschen, dem man am nächsten steht. Es
geht um das Loskommen von "Besitzgefühlen" dem Partner
gegenüber, um die "Gleichberechtigung", um den verletzten
Männer- oder Frauenstolz, um das den anderen Menschen mit dem
man so innig - bis in das Sexuelle hinein - verbunden ist, frei
geben, damit sie oder er sein eigenes Schicksal leben kann und
nicht das Schicksal des anderen nur mitmacht in der
Unterordnung.
Natürlich muss es zur Lösung dieser Fragen nicht unbedingt zu
einem Dreiecksverhältnis kommen. Man könnte diese Fragen auch
bei vollem Bewusstsein und Einhaltung der Partnerschaft und
"Treue" im Sexuellen versuchen zu bearbeiten. Dies funktioniert
jedoch nur wenn beide Partner dies wollen und mit akzeptieren
von erheblichen seelischen Anstrengungen beiderseits.
Wenn diese Thematik nicht bewusst so angegangen wird, ist das
Dreiecksverhältnis - wo hinein die meisten Menschen relativ
unbewusst hereinrutschen - der Auslöser dafür. Oft kann dann in

-4-
der Rückschau beobachtet werden wie es die Partnerschaft
eigentlich schon lange nötig hatte, auf einen anderen Sockel
gestellt zu werden.
Wenn jetzt aber das Dreiecksverhältnis da ist, wie kann man
damit dann umgehen ? Welche Rolle will diese dritte Person dann
spielen. Wo steht die Partnerschaft in ihrer Entwicklung, was
wollen die Partner, was will diese dritte Person usw.
Jetzt muss Biographieforschung in dreifachem Sinne durchgeführt
werden um diesen Schicksalsknoten durchschauen zu lernen, statt
den "gordischen" Knoten einfach durchzuhacken indem man aus der
einen Bindung sofort in die Nächste einsteigt. Hier wird Geduld
gefragt, wird Entsagung gefragt, fordert die Entwicklung oft ein
"Verbrennen" der Abhängigkeiten, des Triebhaften um als freier
"Phoenix" aus der Asche aufzustehen.
"Nicht jede Schicksalsbeziehung muss eine Ehe werden", sagte
Rudolf Steiner einmal zu den damaligen Anthroposophen. Es geht
darum die Schicksalsbeziehung zu ergründen und sich mit der
Frage zu beschäftigen:
" Was ist es, dass Jeder von uns aus dieser Situation
lernen kann und soll ?*" (Jede Krise ist eine Lernsituation.)
Menschen begegnen sich nicht von ungefähr. In den Karma
(Schicksals-) Vorträgen Rudolf Steiners (1924) gibt er den
Hinweis, dass wir in den meisten Fällen sehr gut feststellen
können, ob wir mit einen Menschen schon in vorigen Erdenleben
massgebend zusammen zu tun hatten oder nicht. Im ersten Falle
spüren wir sofort - beim ersten Eindruck - starke Sympathien
oder auch Antipathien. "Liebe und Hass machen blind", sagt ein
altes Sprichwort. In so einem Falle ist die Chance gross, dass
wir entweder die Beziehung ablehnen (Antipathie) und eine für
uns vielleicht fruchtbare Auseinandersetzung nicht stattfindet,
oder wir in eine Dreiecksbeziehung mit sexuellen Konsequenzen
hineinrutschen, dabei "zu weit" gehend.
Es gibt drei Problemgebiete in denen der Mensch schwierig
objektiv sein kann:
1. Das Gebiet des eigenen erotisch-sexuellen Verhaltens.
2. Das Gebiet des eigenen Umgehens mit Geld.
3. Das Gebiet der eigenen Religion oder Weltanschauung.
So ist die Analyse und Entflechtung einer Dreiecksbeziehung
eine Aufgabe, die kaum ohne Hilfe einer Drittperson durchgezogen
werden kann, denn alle Drei sind Partei.
Wie gesagt, die Aufgabe ist im Grunde genommen die Entwicklung
eines neuen Schicksalsbewusstseins. Dazu möchte ich einige
Fragen mitgeben:
1. Was ist meine biographische Aufgabe meinem Partner und dieser
dritten Person gegenüber.
2. Wie stehen diese dritte Person und mein Partner zueinander
und was haben Beide daraus für Schlüsse zu ziehen.

-5-
3. In welchem Alter steht jeder von uns und wie sieht es mit den
Entwicklungsaufgaben, die mit der Lebensphase zusammenhängen
aus ?
4. Versuche die verschiedene Schicksalsbeziehungen von alle
drei Personen aufzuzeichnen. Wer hängt noch mit jeder der drei
Personen zusammen. Z.B. Kinder, Eltern, Familienangehörige,
Freunde usw. Es geht um das bewusst machen des
"Schicksalsnetzwerks".
5. Welche Konsequenzen ist Jeder bereit zu akzeptieren und
welche nicht ? Wie gehen wir damit um ? Wo können wir warten, wo
drohen wir den andern zu "vergewaltigen" ohne ihm die
Möglichkeit zu geben, zu einer freien Entscheidung zu kommen.
6. wie würde dieses Dreiecksverhältnis ausschauen ohne das
Sexuelle in der neuen Beziehung ? Was würde passieren wenn es
nicht zum Sexuellen kommen würde, oder wenn es noch nicht so
weit ist, was würde passieren wenn es dazu kommen würde ?
7. Bei welchen von den jetzt bearbeiteten Fragen fühle ich mich
wohl, wo fühle ich mich nicht so wohl ? Wieso ? Was habe ich für
Gefühle ? Wo fühle ich, im Bauch, in der Herzgegend ? Fühle ich
überhaupt ?
8. Was träume ich ? (Aufschreiben)
9. Wovor habe ich Angst ? Wovor flüchte ich ? (Mit der Frage
leben.)
10. Was erwarte ich von meinem Partner und sie/er von mir ? Was
erwarte ich von dem Dritten im Bunde und sie/er von mir ? Was
ergibt sich daraus ? Können wir über diese Erwartungen
miteinander sprechen ? Ist ein Gespräch zu Dritt denkbar,
möglich und wieso ja/nein ? Wenn es möglich ist, was fühlt Jeder
dabei, wenn es nicht möglich ist, auch ? Was sagen uns diese
Gefühle ? (Gefühle sprechen eine eigene Wahrheit.)
11. wie kann ich mir die nächsten sieben Jahre vorstellen ?
Dabei sollte Jeder sich — aus seiner Sicht - verschiedene
Alternativ-Möglichkeiten durchdenken und dabei auf seine Gefühle
achten. Welche möglichen Konsequenzen sind akzeptabel, welche
nicht. Wieso nicht usw. ?
12. Was bedeutet für mich der Satz: "Wer leidet, lernt."
Mit diesen Gedanken möchte ich Jedem der in einer
Dreieckssituation steht, oder hinein kommt, oder sie als
Möglichkeit überlegt, einige Denkanstösse geben, womit Jeder
wieder selber seine Lösungen finden muss.
Mezieres/VD
Frühjahr 1991.
H. u. E. ten Siethoff
Chem. de la Fontaine
CH-1083 MEZIERES / VD
021 / 903 25 53 / Fax 903 34 43