Hellmuth J. ten Siethoff
Praktische Anleitungen für die Gesprächsführung
Eine Gruppe oder ein Team ist so gut wie die Disziplin der Teil-
nehmer.
In einer 'reifen' Gruppe ist die Gesamtheit mehr als die Summe
der Teilnehmer. Dies heißt 'Synergie',
Ein guter Gesprächsleiter oder Gruppenführer erzieht seine
Gruppenmitglieder zu Disziplin und Selbstverantwortung.
Gesprächsphasen und Aufgaben
Vorbereitung
Ziel formulieren und Thema festlegen.
Gesprächsleitung wählen und übrige Aufgaben verteilen.
Spielregein vereinbaren.
Zeiteinteilung, Zeitlimite und ev. weitere Vorgehensaspekte
festlegen.
Begeistern/Motivieren
Bildgestaltung
Sammeln von Daten, Fakten, Meinungen, Gefühlen und alien
benötigten Informationen. Jeder muß sich aussprechen (können),
keine Diskussionen, nur Informativfragen. Alle möglichen Ursa-
chen und Lösungen darstellen.
‘Brainstorming’ möglich.
H.J. ten Siethoff: Praktische Anleitung Gesprächsführung
Urteilsbildung
Jetzt muß diskutiert werden. Das Bild soll von allen Seiten ange-
schaut, geklärt und durchschaubar gemacht, Vor- und Nachteile
sowie mögliche Ursachen usw. abgewogen werden.
Die Randbedingungen und Kriterien für Entscheidungen müssen
festgelegt werden:
Beschluß- und Entscheidungsphase
Alle möglichen Ursachen eines Problems oder alle möglichen Entscheidungs-
alternativen Lösungen werden angeschaut, auf ihre Vor- und findung
Nachteile, die Kriterien und die Randbedingungen hin über-
prüft. Dann wird eine Schlußfolgerung gezogen oder eine Ent-
scheidung getroffen.
Jeder Beschluß, jede Entscheidung ist eine Wahl aus mehreren Regelung der
Möglichkeiten und deshalb eine Beschränkung, ein Opfer oder A4sführung
ein Verzicht, ein Kompromiß, so man will.
Bei einer Entscheidung darf nicht vergessen werden, die Ausfüh-
rung zu regeln:
« Wertut was?
* Wann wird es getan?
* Welcher Freiraum ist gegeben?
« Wann halten wir die Rückschau?
HJ. ten Siethoff: Praktische Anleitung Gesprächsführung
Gruppengröße
Vorbereitungsphase
Sie wird bestimmt durch die Menschen, die von dem Gespräch
und seinen Konsequenzen am stärksten betroffen sind.
Keine ‘Mitfahrer.
Bildgestaltungsphase
Jede Person, die zum Thema und zu der Zielsetzung einen Bei-
trag, Informationen, Meinungen oder Vorschläge zu bringen hat,
könnte im Prinzip zu diesem Teil des Gespräches eingeladen
werden. Die Zahl der Teilnehmer wird bestimmt durch prakti-
sche Kriterien wie Raumgröße, Ziele, Zeitaspekte, usw.
‘Kreativität und Vielfalt’ ist das Stichwort in dieser Phase.
Urteilsbildungsphase
Ideal wären 5 bis max. 9 Personen, weil es sich jetzt um eine ver-
tiefte Auseinandersetzung handelt. (Die Faustregel ist 7 + 2 Per-
sonen.)
Entscheidphase
Eigentlich dürften nur diejenigen teilnehmen, die wirklich auch
persönlich betroffen sind von einer Entscheidung. Wer eine Ent-
scheidung akzeptieren muß, möchte, wenn es irgendwie geht,
auch dabei sein, wenn entschieden wird.
Organisation der Durchführung und ihre Auswertung
Auch in diesem Punkt müssen die Betroffenen mitreden und da-
bei sein können.
HL. ten Siethoff: Praktische Anleitung Gesprächsführung
Erwünschter Führungsstil
Solange die Gruppe sich noch nicht zu einer disziplinierten Ge-
sprächsgruppe durchgerungen hat, muß die Führung zwar
freundlich, aber doch bestimmt sein.
Die Regel ist: je weniger Disziplin bei den Teilnehmern, desto
straffer muß die Führung sein. Andererseits: je straffer die Füh-
rung desto undisziplinierter die Teilnehmer, wenn die Führung
wegfälit, weil die Teilnehmer nicht gelernt haben, Selbstverant-
wortung zu tragen.
Die Führung hat in der Bildgestaltungsphase dafür zu sorgen,
daß jeder die Möglichkeit bekommt, sich auszusprechen. Dauer-
redner beschneiden, Schweiger auffordern, sich zu äußern. Wer
nichts sagt, ist ein 'Loch' in der Gruppe und wirkt dadurch stö-
rend.
Die Aufgaben der Führung sind u.a.:
1. Vorbereitung von Entscheidungsalternativen.
2. Die Meinungsbildung anregen und dafür sorgen, daß jede
Meinung auch begründet wird.
3. Das Fazit aus der Diskussion ziehen: das Wesentliche heraus-
kristallisieren.
4. Die Schlußfolgerungen formulieren (lassen), z.B. an der Tafel.
In der Urteilsbildungsphase hat die Führung die schwierige
Aufgabe, die unterschiedlichen Auffaßungen und Kompromiß-
bereitschaften zusammenzubringen. Meinungen müssen be-
gründet und hinterfragt werden.
HJ. ten Siethoff: Praktische Anleitung Gesprächsführung
Je nach Entscheidungsmodus muß ein Konsens erreicht werden
(niemand ist mehr begründet dagegen), oder es kommt zu einem
Mehrheitsbeschiuß, oder es wird von demjenigen, der die Kom-
petenz dazu hat, autoritär entschieden. Es gilt: "Konsens regiert‘,
d.h. wenn vom Konsensprinzip abgewichen wird, muß wenig-
stens darüber Konsens herrschen.
Entscheidungsklarheit ist nötig.
Wenn die Teilnehmer nicht genügend Disziplin und Selbstver-
antwortung zeigen, muß auch beim Erreichen eines Konsenses
straff geführt werden. Sonst bleibt die Entscheidung eine halb-
herzige und es wird leicht vergessen, die Ausführung klar zu re-
geln, sowie eine Auswertung und Rückschau durchzuführen.
GESPR2.DOC
Beschluß- und
Entscheidungs-
phase