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Exchange of ideas about the theme consensus

Author:
Jean Jacque Sick - Hellmuth ten Siethoff
Original title:
Gedankenaustausch zum Thema Konsens
Type:
Article
Language:
German
Year:
?
Pages:
3
Subject:
see title (originally catalogued as "script")

Gedankenaustausch Ten Siethoff - Sick
Thema Konsens
Die erste Frage war: "Wo taucht das Kousens-Prinzip im Dreigliederungsge-
danken Rudolf Steiners auf?"
Wir konnten darüber keine Klarheit erhalten, wurden uns aber bewusst, dass
Rudolf Steiner, wenn er über das Soziale spricht, nie von Entscheidungen
spricht, jedoch immer von "sogenannten sozialen Urteilen".
Wenn man den Begriff Entscheidung so interpretiert, dass es dabei um etwas
geht, was bis in die physische Tat hinein in die Welt gesetzt wird, dann
sind alle sogenannten Entscheidungen, das heisst Situationen, in denen Men-
schen sich auf etwas einigen, noch keine Entscheidungen, nur gemeinsame Ur-
teile, und die Entscheidung kommt erst, wenn individuelle Menschen jetzt
aufgrund dieses Urteils eine Tat vollführen. Dann liegt aber die Entscheidung
im individuellen Bereich und nicht im gemeinsamen.
Man könnte dann auch verstehen, wieso wir im Kollegium sagen, Konsens nur für
Grundsätze oder Zielsetzungen, nicht für Details. Denn das Akzeptieren eines
Grundsatzes bedeutet eigentlich, dass man sich im Urteil darauf einigt, dass
dieser Grundsatz ein richtiger ist.
Wir kamen darauf, dass Konsens eigentlich überall dort nötig ist, wo der
Einzelne aus seiner Situation heraus nicht zu einem vollständigen Urteil kommen
kann. Dort nämlich, wo gegensätzliche Bedürfnisse aufeinander stossen.
Nach der Dreigliederung Rudolf Steiners (soziale Dreigliederung) kann man
den Menschen anschauen als:
Fähigkeitswesen: mit geistigen Fähigkeiten
" sozialen
praktischen
Mündigkeitswesen: Bei der Mündigkeit hat man mit der allgemeinen Menschen-
würde zu tun, was wieder damit zusammenhängt, dass jeder
Mensch ein Anrecht darauf hat, sein Schicksal in Ordnung
bringen und erfüllen zu dürfen. Und dort, wo dies nur in
sozialen Zusammenhängen möglich ist, ist die Mündigkeits-
frage eine soziale Frage.
Bedürfniswesen: mit geistigen Bedürfnissen
"sozialen "
wirtschaftlichen "
Welchen Einfluss hat dies auf den Konsensbegriff?
Als Fähigkeitswesen wirkt der Mensch immer autokratisch. Dadurch, dass er
Fähigkeiten hat, die andere nicht haben, wird sein Ürteil aus diesen Fähig-
keiten etwas Unüberprüfbares haben für andere. Die Frage ist nur, ob seine
Fähigkeiten anerkannt werden? Und dies hat wiederum zu tun mit der Art und
Weise, wie er sich im Sozialen situiert und wie er von den andern gesehen
..wird in seiner Art der Bedürfnisbefriedigung. Ohne Glaubwürdigkeit können
seine Fähigkeiten auch wenn sie noch "wahr" sind, nicht im Sozialen wirken.

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Als Mündigkeitswesen geht es eigentlich zuerst darum, ob man den andern als
Gleichberechtigten im Sozialen akzeptieren kann. Das hat zuerst nichts zu
tun mit Fähigkeiten oder Bedürfnisbefriedigungen, denn die kommen aus der
Vergangenheit und wirken in die Zukunft hinein. Der Mündigkeitsbegriff spielt
immer nur in der momentanen Situation und ist immer eine reine Gefühlssache
und deshalb so schwierig zu packen. Er verlangt die Fähigkeit, situationell
zu sehen, die eigenen Gefühle unddie der andern richtig einzuschätzen nach
dem Kriterium der Gleichberechtigung. Diese Mündigkeit und Gleichberechtigung
hat eigentlich immer nur mit einer inneren "Haltung" dem andern gegenüber
in der momentanen Situation zu tun. Deshalb kann man kaum darüber reden oder
schreiben, es muss erlebt werden von allen Betroffenen. Und solange einer es
nicht erlebt, ist es nicht da. Das ist dann eine Tatsache, die man einfach
zu akzeptieren hat.
Wenn wir heute von demokratischen Urteilen sprechen, die eigentlich in dieses
Mündigkeitswesen-Gebiet hineingehören, dann stellt sich die Frage, ob wir
heute eine echte Demokratie kennen? Denn solange Demokratie heisst, dass eine
Minderheit von einer Mehrheit überstimmt wird, kann man nicht von Demokratie
sprechen. Wir hatten das Gefühl, dass eine echte Demokratie fordert, dass man
so lange miteinander redet, bis sich die Minderheit aus Einsicht loyal hinter
eine Mehrheitsentscheidung stellen kann. Das würde heissen, dass es so etwas
gibt wie ein Konsens, wobei nicht jeder dafür zu sein braucht, aber keiner
ist mehr dagegen, auch wenn er selber vielleicht gerne eine andere Lösung
bevorzugt hätte. Man wird merken, dass so eine Entscheidung eigentlich nur
zustande kommen kann, wenn die Stimmung, die innere Haltung eine solche der
Gleichberechtigung ist.
Als Bedürfniswesen steht der Mensch im Wirtschaftsleben, muss er die beschränkten
Produkte der Erde mit seinen Mitmenschen teilen. Da kann nur das Urteil nach dem
Konsens-Prinzip, also"Jeder ist damit einverstanden", eine richtige Lösung
bringen. Denn in diesem Gebiet geht es um eine gerechte Verteilung des Vor-
handenen unter die einzelnen Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen.
Hier entstehen die gegensätzlichen Bedürfnisse. Eigentlich müsste man hier
von sogenannten assoziativen Urteilen sprechen.
Veberträgt man das Ganze auf eine Arbeits- oder Lebensgemeinschaft, dann kann
man zusammenfassend sagen:
Durch seine Fähigkeiten hat jeder Mensch die Neigung, in seinen Urteilen auto-
kratisch zu sein, und das kann unter Umständen völlig berechtigt sein und
auch als solches %on-einer Gruppe akzeptiert werden.
Im Sozialen wäre die Aufgabe des Menschen, sich immer mit der inneren Haltung
der Gleichberechtigung, das Akzeptieren des andern als mündiges Wesen (siehe
erste Seite) hinzustellen.
Im Wirtschaftlichen, aber auch in der gemeinsamen Zusammenarbeit, steht der
Mensch auch als Bedürfniswesen (was nichts anderes heisst, als dass er etwas
"braucht", im Gegensatz zum Fähigkeitswesen, wo man etwas zu "geben" hat.) Hier
sollte man zu einem sogenannten assoziativen Urteil kommen, d.h. zum Abwägen
.. der Bedürfnisgegensätze.
Nehmen wir jetzt die Phasen eines Entscheidungsprozesses, dann sehen wir, dass
es in der ersten Phase der BILDGESTALTUNG eigentlich dauernd um autokratische
Urteile geht. Jeder trägt aus seinen Fähigkeiten etwas bei.Und ich kann einen

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Beitrag akzeptieren, solange ich die Kompetenz zu diesem Urteil akzeptiere.
Bei mir selber muss ich dann nachfühlen, aus welchen Gründen ich die Kompetenz
zu einem Urteil zu kommen, annehme oder ablehne? (Aus Wahrheitssinn, aus Sym-
oder Antipathie oder aus noch nicht zur Klarheit gebrachten karmischen Zu-
sammenhängen, wodurch Gut und Böse mithinein spielt).
In der URTEILSPHASE geht es darum, dass jeder sich als Mündigkeitswesen gleich-
berechtigt fühlen Kann, sonst kann man nicht zu einem richtigen sozialen Ur-
teil kommen. Aeusserlich kann man eine Ahnung davon bekommen, ob diese Situation
vorhanden ist oder nicht, dadurch, dass man bemerkt, ob wirklich jeder den
Mut hat, sich zu äussern oder nicht. Wobei die Gründe für das Fehlen einer
Situation der Gleichberechtigung sowohl im einzelnen Menschen liegen können
als auch in der Situation selber oder im Verhalten einzelner Menschen in der
Gruppe. Hier gilt es, äusserste Wachsamkeit zu üben und zu richtigen Spiel-
regeln zu kommen.
In der ENTSCHEIDUNGSPHASE kommt eigentlich das assoziative Urteil zustande,
da geht es um das Abwägen der gegenseitigen Bedürfnisse einerseits und der
Verbindung der daraus folgenden Handlungen mit dem eigenen Karma und mit dem
Karma der mitbetroffenen Menschen anderseits.
In diesem Bereich geht es eigentlich um das Schaffen von neuem Karma, das
in die Zukunft hineinwirkt. Geist erschauen, die Konsequenzen der Handlungen
in die Zukunft hinein vorausschauen lernen, und daraus den Willen entwickeln,
ja oder nein zu sagen.
Wir sprachen noch über die Gegenmächte und das christliche Wirken.
Ahriman versucht im Urteilen das Urteil über das WIE auszuklammern und regt
dadurch zu Kurzschlusshandlungen an, wobei eine Wahrheit ohne Rück-
sicht auf das WIE in die physische Wirklichkeit hineingedrückt wird
(Der Mensch als Mündigkeitswesen wird sozusagen ausgeschaltet). Das
Ziel heiligt die Mittel.
Luzifer versucht auch, das WIE auszuklammern, akzeptiert den Mitmenschen auch
nicht als Mündigkeitswesen, aber bei Luzifer geht es mehr darum, den
andern davon zu überzeugen, dass nur ER die Wahrheit besitzt und es
deshalb gemacht werden soll, ob nun jeder mitmacht oder nicht
Christus versucht so zu wirken, dass der Mitmensch aufgrund der Gleichbe-
rechtigung sich mit seinem Schicksal akzeptiert fühlen kann und regt
dann an, einerseits zur Wahrheit zu kommen, anderseits die richtigen
Ziele zu entwickeln, macht aber keinen Schritt, die die andern nicht
mitvollziehen können. Mit andern Worten, er geht den Weg gemeinsam
und wartet immer,bis jeder mitkommt.